9.2.4 Qualitätsmanagement / Statistische Prozesskontrolle
Mit Techniken der statistischen Prozesskontrolle (SPC) kann man datenbasiert und objektiv feststellen, ob das Projekt die Lieferobjekte innerhalb eines geeigneten Qualitätsniveaus hervorbringt oder nicht. Diese Techniken stützen sich auf Tests oder auf die Durchführung von Qualitätsprüfungen bei in entsprechender Vielzahl von hergestellten. Werden nur wenige und individuelle Lieferobjekte produziert, funktioniert die statistische Prozesskontrolle nicht. Wenn Ihr Projekt jedoch auf die Herstellung vieler ähnlicher Lieferobjekte hinausläuft, können Sie mit SPC sehr gut ermitteln, inwieweit Ihre Prozesse qualitativ hochwertige Lieferobjekte hervorbringen.
SPC hilft Ihnen auch dabei, festzustellen, ob Prozesse noch in Ihrer Kontrolle liegen. Sie können damit ermitteln, ob Ihre Prozesse die Produkte laufend auf dem gewünschten Qualitätsniveau halten können. Wenn Prozesse also ins Stocken geraten und Produkte nicht mehr dem Qualitätsstandard genügen, sind diese Prozesse außer Kontrolle. SPC informiert so früh wie möglich darüber, wenn die Prozesse außer Kontrolle geraten.
Hinter SPC steckt die Philosophie, dass man den Prozessoutput über Prozesstechniken und Managementaktionen statistisch kontrollieren kann. Dieses Vorgehen hilft Projektteams und Unternehmen Folgendes umzusetzen:
- Kritische Probleme in einem Prozess frühzeitig zu
- Produktschwankungen zu reduzieren
- Die Kapazität eines Prozesses ermitteln
- Einen Prozess zu optimieren
- Die Zuverlässigkeit eines Produkts zu bestimmen
Auch wenn SPC als eine einfache und klare Technik erscheint, kann seine Umsetzung komplizierter sein. Voraussetzung dafür ist, dass die hergestellten Produkte in einer üblichen und konsistenten Weise getestet, die Ergebnisse gemessen und interpretiert werden. Nur so kann SPC zum klaren Verständnis der Vorgänge führen.
Kontrolldiagramme
Die Verwendung von Kontrolldiagrammen ist ein entscheidender Aspekt des SPC, doch sie ist nicht der einzige Weg, SPC einzuführen. Ein Kontrolldiagramm ist eine Grafik mit einer horizontalen Zeitachse, auf der gewisse Stichproben oder Zeitpunkte stehen. Auf der vertikalen Achse stehen die Messungen, die zu diesen Zeiten genommen wurden. Das Diagramm hat eine Sollwertelinie, die das Prozessziel anzeigt; oberhalb und unterhalb dieser Linie werden die Grenzwerte angezeigt, die den noch akzeptablen Bereich des Prozessziels abgrenzen.
Das Diagramm stützt sich auf die Daten, die während der Stichproben gesammelt werden. Es müssen ausreichend Daten gesammelt und auf dem Diagramm verzeichnet werden. Wenn alle Punkte innerhalb des Grenzwerts liegen, wird der Prozess als kontrolliert klassifiziert. Wenn die Punkte außerhalb des oberen und unteren Grenzwerts liegen, wird der Prozess als unkontrolliert oder außer Kontrolle klassifiziert.
Im Kontrolldiagramm werden auf der horizontalen Achse die Stichproben oder Zeitpunkte aufgeführt. Die vertikale Achse enthält Messwerte zu diesen Stichproben. Die Sollwertlinie (Control Line, CL) stellt den Sollwert des Prozesses dar. Die Linien UCL (Upper Control Limit) und LCL (Lower Control Limit) stehen für die oberen und unteren Grenzwerte, die noch akzeptabel sind. |
Ein Prozess ist unter Kontrolle, wenn alle Messwerte in einem bestimmten Zeitraum innerhalb der oberen und unteren Grenzwerte liegen |
Ein Prozess gilt als "außer Kontrolle", wenn eines oder mehrere der folgenden Ereignisse eintreten. · Einer oder mehrere Punkte liegen außerhalb der Grenzwerte · Eine Reihe von acht Punkten liegt auf einer Seite der zentralen Linie (mehr als dass man hier von Zufällen sprechen könnte) · Ein ungewöhnliches oder nicht zufälliges Muster in der Graphik · Ein Aufwärts- oder Abwärtstrend in sieben Punkten hintereinander · Ein Muster, dass Werte ständig über und unter CL liegen, aber noch im akzeptablen Rahmen · Mehrere Punkte nahe an der Kontrollgrenze (aber nicht außerhalb des Rahmens) Wenn eine dieser Situationen auftaucht, muss das Projektteam den Grund dafür ermitteln und festlegen, welche Änderungen vorgenommen werden müssen, um den Prozess wieder unter Kontrolle zu bekommen. |
Oft wird von SPC-Techniken behauptet sie seien objektiv, ihr Einsatz zur Entscheidungsfindung fällt jedoch häufiger subjektiv aus. Die Interpretation und weiteren Handlungen hängen von den entsprechenden Managern und Teammitgliedern ab. Einfach nur ein Kontrollchart zu erstellen, kann nicht die Qualität verbessern oder Prozessproblemen vorbeugen. Der Nutzen eines SPC hängt davon ab, wie die Ergebnisse interpretiert und weiter verwendet werden.
Wichtig ist die Erkenntnis, dass man, auch wenn man nach Prozessperfektion strebt, diesen Zustand niemals erreichen kann. Menschliche Faktoren, fehlerhafte Maschinerie und Geräte, Abnutzung und Ausnahmen werden immer wieder eine gewissen Variabilität ausmachen. Sie können die Bandbreite des UCL und LCL jedoch mehr und mehr minimieren, indem Sie weiterhin Ihre Prozesse (und Werkzeuge) verbessern.






























