7.1.1.1 Annahmen / Risiken
Übersicht 7.1.1.1.P1
Annahmen sind Risiken, die als gering eingestuft werden. In vielen Projektdefinitionen wird z.B. vielfach die Feststellung gemacht, dass die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stehen, wenn sie benötigt werden. Was bedeutet diese Feststellung? Viele werden sagen, dies ist eine Annahme, denn wir gehen bei Projektbeginn immer wieder davon aus, dass wir die benötigten Ressourcen erhalten werden.
Ist dies jedoch wirklich eine Annahme? Können Sie sich auch die Situation vorstellen, dass die geplanten Ressourcen zum geplanten Termin nicht zur Verfügung stehen, vielleicht weil sie zuvor noch ein anderes Projekt abschließen müssen? In diesem Fall ist die gleiche Feststellung definitiv ein Risiko und keine Annahme.
Ob eine bestimmte Feststellung eine Annahme oder ein Risiko ist, hängt von den Umständen in Ihrem jeweiligen Projekt ab. Die Unterscheidung ergibt sich daraus, wie hoch wir die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass ein bestimmtes Ereignis eintreten wird. Wenn ein Ereignis negative Folgen haben kann, aber die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass es eintritt, dann kann es als Annahme eingestuft werden. Wir können ebenfalls von einer Annahme ausgehen, wenn das Ereignis positiv und die Eintrittswahrscheinlichkeit hoch ist. Eine Möglichkeit, Annahmen zu definieren, besteht darin, dass man ein Risiko-Assessment durchführt (siehe Abschnitt ‚7.2.1 Risikomanagement / Inhärente Risikofaktoren’) und die Ereignisse mit einer geringen Risikostufe heraus nimmt. Bei einigen wird es sich nicht lohnen, sie zu erwähnen. Aber andere können negative Auswirkungen haben, wenn sie sich nicht so entwickeln, wie wir es erwarten. Diese sollten dann als Annahmen dokumentiert werden.
Ereignisse ohne Unsicherheit, d.h. Ereignisse, deren Eintrittswahrscheinlichkeit 0% oder 100% ist, sind weder eine Annahme noch ein Risiko. Sie sind einfach eine Tatsache (100%) oder eine Fiktion (0%). Annahme und Risiken liegen auch außerhalb der Kontrolle des Projektteams. Ereignisse unter der Kontrolle des Projektteams sind weder Annahmen noch Risiken. Sie scheinen einzig im Arbeitsplan auf. Nachfolgend einige Beispiele zur Unterscheidung:
Feststellung | Annahme, Risiko oder etwas anderes? |
Wir haben für eine Aktion die volle Unterstützung unseres Sponsors.
| Diese Feststellung kann so weder als Risiko noch als Annahme eingestuft werden. Je nach Projekt kann sich mit dieser Feststellung ein hoher Risikoanteil oder ein sehr geringer (Annahme) verbinden. |
Die Produktions- und Testserver müssen vor Beginn des Integrationstests installiert sein.
| Diese Feststellung kann so weder als Risiko noch als Annahme eingestuft werden. Je nach Projekt kann sich mit dieser Feststellung ein hoher Risikoanteil oder ein sehr geringer (Annahme) verbinden. |
Wir werden die Anforderungs-Spezifikationen vor Beginn der Design-Phase abgeschlossen haben.
| Diese Feststellung ist ein Teil des Projektvorgehens bzw. des Arbeitsplans. Sie ist weder ein Risiko noch eine Annahme, da sie sich in der Kontrolle des Projektteams befindet. |
Unsere Lieferanten werden ihre Schnittstellen zu unserer Applikation bis zum 1. Oktober fertig gestellt haben.
| Kann so weder als Risiko noch als Annahme eingestuft werden. Je nach Projekt kann sich mit dieser Feststellung ein hoher Risikoanteil(=> Risiko) oder ein sehr geringer (=>Annahme) verbinden. |
Wir müssen zum Mond fliegen, um Meteoritenstücke für unser Projekt zu bekommen. | Weder ein Risiko noch eine Annahme, sondern eine Fiktion (0% wahr). |
Das Material muss eine Hitze von 100 Grad überstehen können.
| Diese Feststellung ist eine Anforderung und weder ein Risiko noch eine Annahme. Es beschreibt ein Lieferobjekt.
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Es braucht 60 Min, um von einem Standort zum anderen zu fahren.
| Weder ein Risiko noch eine Annahme, sondern eine Tatsache (100% zutreffend).
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